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„Anker”
„Hoffen und Harren macht manchen zum Narren.“ Dieses Sprichwort stellt der Tugend der Hoffnung, die durch einen Anker symbolisiert werden kann, kein gutes Zeugnis aus. Sind wir doch einfach nur „Narren“, wenn wir als Christen von Hoffnung reden und zur Hoffnung ermutigen? – Doch – Gegenfrage – was sind das für Menschen, die nicht mehr hoffen, die unsere Welt für unverbesserlich halten? Nach dem Motto: „Die Menschen ändern sich nie, und die Welt bleibt so schlecht wie eh und je ...“ Wer keine Hoffnung mehr hat, dass er und andere sich ändern können, wer nicht mehr hoffen kann, dass doch noch etwas Neues unter der Sonne geschieht, der wird auch nichts Neues erleben, sondern immer nur das, was ihn in seinem Vorurteil bestätigt.
Der Anker sichert das Schiff im Hafen, hält es aber auch fest auf hoher See bei Stürmen. Er ist von alters her ein Bild der Hoffnung und der Zuversicht. Im Hebräerbrief heißt es: „Die angebotene Hoffnung ... haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele.“ (6,19) Damit ist auch gesagt, dass die Hoffnung etwas braucht, woran sie sich festmachen kann. Kein Mensch kann ohne Hoffnung leben, doch wer keinen Grund zur Hoffnung sieht und findet, der jagt einem Phantom nach und macht sich dann wirklich zum Narren. In einem unserer Gesangbuchlieder heißt es: „Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält; wo anders als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht.“ (EG 354,1).
Es gibt für uns einen Grund zur Hoffnung, und er beruht auf dem Vertrauen in Gottes Liebe, die für uns Christen ein menschliches Gesicht trägt und einen Namen hat: Jesus von Nazareth. Dieser eine Mensch Jesus macht uns Mut zu glauben, dass es nicht sinnlos und vergeblich ist, auf Neues zu hoffen, an das Gute zu glauben und das Gute zu wagen.

Quelle
http://www.baiersdorf-evangelisch.de/html/christl__symbole.htm

Wichtig finde ich, dass die Bibelstellen nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden.

Bibel - Übersetzung nach Martin Luther
Hebräerbrief 6/11
Wir wünschen aber, dass jeder von euch denselben Eifer beweise, die Hoffnung festzuhalten bis ans Ende.
Hebräerbrief 6/18-19
So sollten wir doch durch zwei Zusagen, die nicht wanken - denn es ist unmöglich, dass Gott lügt -, einen starken Trost haben, die wir unsere Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung.
Diese haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele, der auch hineinreicht bis in das Innere hinter dem Vorhang.

Der Schreiber dieses Briefes verwechselt hier Hoffnung und Wissen.
Die Zusagen sind gegeben, darauf brauch nicht gehofft zu werden, es sind Fakten.
Und eine zuflucht ... Flucht hat immer etwas mit Angst zu tun.
Ohne Angst gibt es keine Flucht.

Das Festhalten an der Hoffnung ist Angst vor dem Wissen dem wir vertrauen können.

Wissen ist der Anker auf See, nicht die Hoffnung!
Da wir wissen - vertrauen wir!

Wenn wir nur hoffen, dann ist das kein (uneingeschränktes) vertrauen.
Es ist ein Unterschied, ob wir nur hoffen oder ob wir vertrauen/wissen. Hoffen ist eine Möglichkeit, eine Eventualität, Vertrauen/Wissen - da bin ich mir sicher!

Bei der oben genannten Frage, was es für Menschen sind die nicht mehr hoffen, ist für mich kein Kausalzusammenhang zu erkennen.
Warum sollte es keine Änderung geben, wenn man anstatt zu hoffen, Wissen erlangt/vertraut?
Ich muss nicht hoffen damit etwas Neues geschieht, es wird geschehen, ob mit oder ohne hoffen.
Es liegt an mir zu erkennen, zu sehen, was geschieht.

Mir scheint es fast so, als wäre das Hoffen, ein "Hände in den Schoß legen", a la "ich kann doch nichts dafür, nichts tun", aber ich hoffe, dass es anders wird.
Wenn Mensch (vertraut) weiß, weiß er dass Leben Veränderung ist und das Einschätzen von Erlebten von der eigenen Sicht auf die Dinge abhängt.
So kann ein- und dasselbe Erlebnis einen Menschen niederdrücken, passiv in Hoffnung (ver)harren lassen, welches für einen anderen eine Chance/Signal ist, etwas zu ändern zu wollen und etwas daraus gelernt.

12.5.07 10:57, kommentieren